Archiv für Frauenfuss

Besuch der @Frauenfuss-Ausstellungseröffnung (Eintrag XXIV)

Posted in rechtsfreier Raum with tags , , , , , , , on 15. Dezember 2009 by Shumway

Hollera zusammen,

nach ewiger Zeit habe ich mich endlich mal wieder durchgerugen, einen Artikel nicht nur stichpunktartig irgendwo zu vermerken oder im Kopf zu formulieren, sondern tatsächlich zu… Papier(?) oder besser gesagt zu internetfähigen Bits und Byte zu verwurschteln und nun frage ich mich, ob ich den Artikel nun auch veröffentlichen soll oder es einfach sein zu lassen. Da ich aber nach langer Zeit endlich über die größte Hürde des Bloggens für mich hinaus bin (Das sich an den Rechner setzen und den Artikel zu tippen), werd ich nun auch weitermachen.

Die talentierte Grafik Designerin Michaela von Aichberger, die in der Twitterwelt jedem unter dem Namen @Frauenfuss bekannt ist, hat ihr anfängliches Spaßprojekt „Ich male meine Follower“ oder in für Twitter typischen verkürzten Schreibweise mit Hashtag #immf genannt soweit gebraxcht, dass sie damit nun Ausstellungen in ganz Deutschland beehrt. Nach der Premiere in Nürnberg, darf sich nun die Stadt Köln loben, für die nächsten Tage Herberge eines interessanten Internet-Kunst-Projekts zu sein.

Den Berichten aus Nürnberg zu Folge, war die Veranstaltung dort ein voller Erfolg, also haben wir uns zu zweit auf den Weg Richtung Köln Mühlheim gemacht, um uns ein Bild von den Bildern und der Veranstaltung zu machen. In erster Linie wirklich, um die schon so oft im Netz bewunderten Bilder endlich einmal live zu sehen. Da ich selber auch das wahnsinnige Glück hatte, von der Künstlerin mit einem #immf-Portrait geehrt worden zu sein, war die Neugierde natürlich auch sehr groß, wie das mir gewidmete Bild aussieht, neben wem ich da so an der Wand hänge und ein wenig hegte ich auch die Hoffnung, die Künstlerin zu treffen und ein paar Minuten ihrer Zeit zu stehlen, um mich persönlich für die Zeichnung ihrer Vorstellung meines Twitter-Ichs zu bedanken. Das Treffen weiterer Twitterer war im Bereich des Möglichen aber im Rahmen der Veranstaltung von meiner Seite aus kein Grund mich auf den Weg dorthin zu machen.

Als wir den Wagen vor dem Kulturbunker in einer Parklücke unter bringen konnten, der erste Schock: Einige dubiose Gestalten in glänzenden Anzügen, mit Schlips und Slippern waren dort versammelt und man stellte sich die erste bange Frage, ob man zur einer Vernissage-Eröffnung mit kaputter Jeans und T-Shirt nicht zu underdressed sei und auffallen würde wie ein bunter Hund. Nuja, als Person, die nicht von dieser Welt stammt, ist man einiges gewöhnt, was das Hervorheben und Auffallen innerhalb größerer Menschenmassen angeht, so dass man sich dann nach einer letzten Zigarette im arschkalten trockenen Kölner Wetter auf den Weg ins Innenleben des würfelförmigen Veranstaltungsgebäube begab.

Die erste Erleichterung kam dann, als man sich dem Obergeschoss näherte und das Styling der dort im Vorraum versammelten Leute darauf schließen ließ, dass man in dem gewählten Standard-Outfit nicht auffiel wie ein bunter Hund (Da ich die dubiosen Gestalten vom Parkplatz während der Veranstaltung im 1, OG rechts nicht ein weiteres Mal gesichtet habe, denke ich, dass diese glücklicherweise für alle Anwesenden einer anderen Feierlichkeit zugehörig gewesen sind.)

Die Aufteilung der Galerie in drei parallel angeordnete Räume mit jeweils den Seitenwänden voller wunderschön gerahmter #immf-Bilder war an sich nicht verkehrt. Jedes der zahlreich aufgehängten und herrliche gerahmten Büchlein hinter Glas kam so sehr gut zur Geltung und konnte in Ruhe begutachtet werden, wenn ich es auch befremdlich fand, dass es einige Leute für praktisch hielten, sich mit ihren Sitzgelegenheiten direkt vor die Kunstwerke zu pflanzen, so dass einem das Betrachten von Details einzelner Ausstellungsstücke nur möglich war, wenn man seine Körpermitte auf Tuchfühlung mit den Gesichtern der dort Hockenden brachte. Wer weiß, vielleicht war dies aber auch eine von mir missverstandene Weise, Kontakte zu knüpfen.

Nach vorsichtigem Schlendern durch den ersten Raum und Sichten einiger weniger bekannter Gesichter (Ich folge bei Twitter gerade mal 100 Leuten und lese bei einigen noch quer, ohne zu folgen. Da sich diese Hundertschaft aus dem gesamten Raum unseres Landes und darüber hinaus noch aus einigen Österreichern und Leuten von Übersee zusammensetzt, ist die Chance, in Köln jemanden zu treffen, dem man folgt relativ gering und die Chance, sogar jemanden zu treffen, der gleichzeitig meine Tweets auf Twitter abonniert hat, ist noch geringer.

Meine Hauptintention lag aber wie eingangs erwähnt nicht darin, möglichst viele Leute zu kennenzulernen, sondern eher darin, die Ausstellung an sich und somit die ausgestellten Bilder an sich aus nächster Nähe zu betrachten und einigen der auftretenden Vorlesern zu lauschen.

Da wir um kurz vor acht angekommen waren und @dergrob gerade seinen Vortrag begonnen hatte, war eine Sichtung der im mittleren Raum (welcher mit Stühlen und Bänken ausgestattet als Vortragsraum auserkoren war) hängenden Bilder nicht möglich.

Trotz des großen Andrangs an Publikum vor den Durchgängen und innerhalb des mittleren Raumes schafften wir eine Überquerung und landeten im dritten zu dem Zeitpunkt überraschenderweise vollkommen leeren Raum und konnten uns in Ruhe an den aufgehängten Stücken und den an den Kopfenden platzierten Sammlungen ergötzen. Da ich eine HD-Videokamera mitgenommen hatte, um ein paar der Bilder (und logischerweise mein eigenes) für das persönliche Archiv zu filmen, nutzte ich hier die Gelegenheit, dieses zu tun und bekam aber leider dank der auf den mittleren Raum zugeschnittene Akkustik von der ersten Lesung so gut wie nichts mit.

Wovon ich auch nichts mitbekommen hatte, war der kleine Mann (Ja, ich darf klein sagen, denn Leute, die mich in puncto Körpergröße nicht überragen sind spärlich gesäht) mit der großen Kamera (Ja, die Kamera war groß und sah nach professioneller Fernsehausrüstung aus), der mich beim Filmen der Ausstellungsstücke mit seiner Kamera minutenlang verfolgte, filmte und dabei laut Augenzeugen einen missbilligen Blick aufgesetzt hatte, als würde er mich der Industriespionage verdächtigen.

Leider konnte ich das mir gewidmete #immf-Bild auch im dritten Raum nicht entdecken, so dass ich – sollte es tatsächlich ausgestellt worden sein – wohl nur im Vortragsraum fündig werden konnte.

Beim nochmaligen Durchqueren dieses Raumes zwecks Einlegen einer Raucherpause auf der Dachetage, schlug uns ein Mief eine recht interessante Mischung der verschiedensten Duftnoten der vielen anwesenden Leute auf relativ kleinem Raum entgegen (Meine Nase ist groß und so empfindlich, so dass sie Nahrungsmittel auf weit entfernte Distanz zu orten vermag), die mich skeptisch gegenüber dem Beisitzen der später stattfindenden Lesungen der von mir geschätzten Twitterer @vergraemer & @silenttiffy machte. Der Umstand, dass viele der Anwesenden den lecker duftenden Zwiebelkuchen noch gar nicht erst genossen hatten, trug nicht zur Linderung dieser Bedenken bei.

Der kleine Mann mit der großen Kamera ist mir währenddessen noch mehrmals über den Weg gelaufen und jedes Mal, wenn er mich zu Gesicht bekam, bildete ich mir ein, dass sich sein zu anderen Leuten freundlicher Blick zu einer sehr skeptischen und verkniffenen Miene wandelte. Als er dann auch noch die menschenleere eiskalte Dachterasse aufsuchte, als meine Begleitung und ich gerade von einer Zigarettenpause derselbigen wieder ins Innere des Kulturbunkers eintraten, obwohl sich dort keine weitere Person aufhielt (Anscheinend sind alle anderen Raucher zur Suchtbefriedigung runter vor die Tür gegangen) geschweige denn filmisch verwertbares Material befunden hatte, war ein unbehagliches Gefühl des Verfolgtwerdens da. Vielleicht wollte er auch nur die Gelegenheit nutzen, eine Zigarette zu rauchen oder wollte sich kurz an der frischen Luft ergötzen aber das Timing zu dem Zeitpunkt war so passend, dass ich fortan leicht paranoid auf alle mir entgegengehaltenen Aufnahmegeräte reagiert habe.

Wieder unten angekommen begann gerade das Programm von Jan-Uwe Fitz besser bekannt als Taubenvergrämer und ich versuchte halb im Durchgang zum mittlerweile proppenvollen Vortragsraum stehend ohne Chance, einen Blick auf den Protagonisten werfen zu können, wenigstens den Worten zu lauschen. Seine Episode über die Kleptopedie (der zwanghaft mit den Füßen Klauende) machte mir ziemlich schnell bewusst, dass ich diese von ihm vorgetragenen Abstrusitäten in der Twitterwelt als mehrfach täglich auftretender 140-Zeichentweet sehr schätzte (und das nach wie vor tue) sie aber in Form eines längeren Vortrags vor Publikum eher als langweilig und gestellt empfand.

Sehr gelegen kam dann der Höhepunkt des Abends, nämlich der Moment, indem ich die Schöpferin der gesamten ausgestellten Gemälde kurz persönlich begrüßen durfte. Sie schien sichtlich erfreut, mich anzutreffen, was mich wiederum erfreute, da ich trotz der Tatsache, als Numero 185 einer ihrer mittlerweile über 250 gemalten Follower zu sein, im Prinzip nur einer von über 5.500 Leuten bin, die ihr und ihren Tweets auf Twitter folgen und innerhalb des Twitterversums auch ein nur kleines Sternchen unter vielen vielen anderen darstelle.

Nach einem kurzen Smalltalk über die Besuchermenge erklärte sie mir, dass das zu meiner Person erdachte Gemälde im Vortragsraum direkt vorne in der Höhe des Rednerpults stand und somit momentan noch nicht zugänglich war. Nach einem kleinen verdrehten Autogramm von ihr (Sie hat mein leeres Namensschild persönlich mit meinem Nicknamen verziert) hieß es dann warten, bis man den mittleren Raum der Vernissage zum Betrachten der Bilder betreten konnte. Persönlich bedankt habe ich Trottel mich in der kurzen Zeit natürlich auch nicht, was ich aber bald nachholen möchte, ehrlich!

Nachdem der Taubenvergrämer um 21:00 Uhr sein Programm beendet hatte, war danach – entgegen des mir bekannten Programms – eine 30-minütige Pause veranschlagt. Dies gab nun allen Beteiligten die Möglichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes etwas Luft (oder auch etwas zu trinken, rauchen, futtern) zu holen und somit leerte sich der bis dahin stets gefüllte Raum sehr schnell und man konnte nun endlich auch mit Muße einen Blick auf die im mittleren Abschnitt aufgehangenen Bilder werfen. Dort an derselben Wand wie die drei Twitterberühmtheiten @haekelschwein, @gebenedeite und @formschub hing dann auch meine Wenigkeit. Ein Anblick, der mich dann doch ein wenig stolz hat aus der Wäsche gucken lassen, da ich mit diesem Portrait ein Teil dieser tollen Ausstellung war. Da leider sämtliche Taschen der Fotografen und deren technisches Equipment passenderweise genau an dieser Stelle geparkt waren, gestaltete sich für mich die mehrfach an diesem Abend beobachtete Standardfotografie „User direkt vor dem dazugehörigen #immf“ etwas schwierig aber mit ein wenig formvollendeter Akrobatik ging das auch über die Bühne.

Da die Lesung von @wortmax aus seinem kürzlich veröffentlichten Buch nun nach hinten verlegt worden war, hieß der nächste von mir neugierig erwartete Programmpunkt des Abends Alexandra Tobor a.k.a. @silenttiffy, die das zweite Kapitel ihres bis jetzt noch nicht veröffentlichten (weil sich eigentlich noch gerade in der Entstehung befindenden) Buches lesen wollte / sollte / musste (trotz sichtlicher Angeschlagenheit durch vorhergegangene Erkältung der Atemwege).

Sehr amüsiert und wenn auch mit dem dazugehörigen Grad der Verständnislosigkeit bemerkten wir, dass der größte Teil, der nun leerstehenden Sitzgelegenheiten in typisch deutscher Manier akkurat mit Jacke, Pullover oder ähnlichen Kleidungsstücken als „reserviert“ markiert worden war, so dass wir uns entschlossen, im vorderen Bereich zwei freie Stühle als Sitzgelegenheit zu nutzen (natürlich nicht, ohne uns vorher zu vergewissern, dass diese nicht doch zufällig mittels eines Badelakens gekennzeichnet waren).

Die Lesung der „Gräfin“ war sehr gut, wenn man auch die Thematik in der ein oder anderen Form bereits öfters gehört hatte, war der auf Twitter auch oftmals durchblitzende Schreib- und Erzählstil der Vorleserin dermaßen gut, dass ich gerne konzentrierter und aufmerksamer zugehört hätte. Der Konjunktiv an dieser Stelle verrät es bereits, dass dies nicht so einfach machbar war, denn die geballte offizielle und private Pressefront inklusive des kleinen Mannes mit der großen Kamera stand mit kompletter Ausrüstung bewaffnet strategisch gut positioniert hinter der Vortragenden und filmte, knipste, zoomte und blitzte immer wieder in Richtung Publikum. Dazu kamen noch die obligatorischen privaten Kameras, so dass wir uns zeitweise vorkamen, als wären wir und nicht die Ausstellung oder die in dem Moment vor dem Publikum sitzende @silenttiffy die Hauptattraktion.

Obwohl das Programm zu dem Zeitpunkt noch nicht zu Ende war, ging es erst einmal raus aus diesem „Presseraum“ in den Ausstellungsraum Numero Uno Dort habe ich noch einen der wenigen Leute erkannt, von dem ich weiß, dass er meine Wenigkeit aus dem Twitterkosmos kennt und dessen Tweets ich auch immer mit Interesse lese. Nach einem kurzen Plausch mit dem für seine Panoramabilder bekannten @joshvonstaudach haben meine Begleitung und ich dann beschlossen, den Rest des Abends lieber in entspannter, kamera- und twitterloser Atmosphäre zu verbringen.

Die Ausstellung gastiert ja noch länger in Köln und nächsten Sonntag, wenn als Programm das Malen für Kinder ansteht, werde ich zusammen mit meiner Kleenen auch nochmals die supernette Michaela von Aichberger und ihre tolle Ausstellung in Ruhe (sofern der Wirbelwind uns die Ruhe dazu lässt) besuchen.

Mein Fazit:

  • eine sehr tolle Ausstellung mit einer wahnsinnig sympathischen Künstlerin.
  • ein sehr interessantes Rahmenprogramm, dem ich gerne mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte.
  • eine bunte Mischung aus normalen, komischen, interessanten und seltsamen Menschen.
  • eine Vernissage, bei der nicht die Kunst sondern die Besucher ein zentraler Bestandteil waren (was mich ein wenig irritiert aber nicht verwundert hat).
  • eine übernatürlich große Menge an Fotografen, Kameras und Leuten die unentwegt Bildern der Besucher anstatt der tollen Kunstwerke gemacht haben (welche der Grund für das frühzeitige Verlassen der Ausstellungsveranstaltung war)
  • die generelle Feststellung, dass Twitter zwar süchtig macht aber ich an einer Twitter-Community nur rudimentäres Interesse habe bzw. es meiner Ansicht nach für Twitter aufgrund der Vielfalt seiner User im Gegensatz zu vielen bereits gemachten Erfahrungen mit Chats, Foren und Browsergames in meinen Augen gar keine richtige Community geben kann und somit auch weder Zugehörigkeits- noch Ausgrenzungsgefühl.

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Ein sich mit einem Erfahrungsbericht nach längerer Blogabstinenz mal wieder hier geäußert habender und dies zukünftig wieder ein wenig regelmäßiger vorhabender Ausserirdischer