Archiv für Dezember, 2009

Mein erster Jahresrückblick (Eintrag XXVI)

Posted in Hölzernes Allerlei with tags , , on 31. Dezember 2009 by Shumway

Hollera zusammen,

auch wenn Großmama Shumway zu sagen pflegte „Schaue nie zurück, Du ersparst Dir den Blick ins Chaos“ möchte ich als Fragebogenfan und kleiner Listenfanatiker und als Neuling unter den Ab-und-An-Bloggern auch mal einen Jahresrückblick veröffentlichen.

Here we go:

1. Zugenommen oder abgenommen?

Mit einigen kleineren Schwankungen ein wenig zugelegt im Vergleich zum letzten Jahr

2. Haare länger oder kürzer?

Nach längerer Zeit der langen Haare und eintretender Langeweile ob der Frisur musste der Zopf mal wieder ab und einer Kurzhaarfrisur weichen.

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Unverändert, sowohl was die Sehstärke als auch die kurzsichtige Fähigkeit zur Weitsicht angeht.

4. Mehr Kohle oder weniger?

Nach einem finanziellen Katastrophenjahr zum Ende hin ein Lichtblick und versöhnlicher Jahresausklang.

5. Mehr ausgegeben oder weniger?

Einfache Mathematik: Wer weniger hat, kann nicht mehr ausgeben.

6. Mehr bewegt oder weniger?

Alles in allem faul mit guten Tendenzen, der Faulheit ab und an eins auszuwischen (Fahrradfahren im Sommer und allgemein auch schon einmal längere Strecken (auch ohne Ziel) zu Fuß zurückgelegt.

7. Der hirnrissigste Plan?

Bei -17 Grad mit dem Auto knapp 75km zum Einkaufen über die Grenze zu fahren.

8. Die gefährlichste Unternehmung?

Das Betreten mehrerer Kinderspielplatzgerätschaften ohne ein vorher absolviertes Aufwärmprogramm.

9. Der beste Sex?

Der, bei dem noch eine weitere Person beteiligt war.

10. Die teuerste Anschaffung?

Ich geh nicht anschaffen und da ich kein Geld hatte, mir großartig etwas teures zu gönnen war wohl die Summe der durchgeführten Autoreparaturen das Unternehmen 2009, was am meisten Kohle verschlungen hat.

11. Das leckerste Essen?

Eine ganze Menge an selber zubereiteten Köstlichkeiten gab es dieses Jahr, von denen die Gerichte, die man nicht alleine fabriziert hat am leckersten waren. Auzugsweise zu nennen wären da ein Red Snapper, selbstgemachte Eintöpfe, Chicken Drum Sticks und noch vieles vieles mehr

12. Das beeindruckendste Buch?

Am meisten beeindruckend fand ich, dass ich vor allem zu Beginn des Jahres sehr viel Zeit mit Lesen verbringen konnte. Sehr positiv in Erinnerung ist mir die 4-teilige Saga „Das Geheimnis der großen Schwerter“ von Ted Williams geblieben, weil es dieser Autor im Gegensatz zum vielgelobten Tolkien auch bei einem Epos von 4.000 Seiten schafft, eine spannende Story aufzubauen und ohne Längen zu Ende zu führen.

13. Der ergreifendste Film?

Nicht ergreifend aber herausragend als Seherlebnis war Coraline als 3D-Version, da ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Spezialbrille beim Schauen eines Film getragen habe.

14. Die beste CD?

Auch 2009 kam nichts an die genialen Alben von TOOL heran. Aufgrund finanzieller Engpässe und kritischer Meinung zu neuen Veröffentlichungen gab es eh keine neuerworbenen Tonträger.

15. Das schönste Konzert?

Das Area 4-Festival, dem ich hier eine eigene Kategorie gewidmet habe.

16. Die meiste Zeit verbracht mit …?

Arbeitssuche und sinnlosem Zeitvertreiben (Twittern, Zocken, Schlafen, etc).

17. Die schönste Zeit verbracht mit …?

denjenigen, die vor allem an den Wochenenden Zeit für mich hatten und diese gemeinsam mit mir verbracht haben.

18. Vorherrschendes Gefühl 2009?

Langsam wird es wirklich Zeit, dass sich etwas tut.

19. 2009 zum ersten Mal getan?

  • mich arbeitssuchend gemeldet. Ganz und gar nicht schön.
  • mich beim Arbeitsamt wieder abgemeldet (Das war hingegen richtig schön)

20. 2009 nach langer Zeit wieder getan?

  • Leute getroffen, die schon fast aus dem Dunstkreis verschwunden waren.
  • Eine neue Internetsucht (Twitter) entdeckt.
  • Geld gespart

21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

  • Monate ohne vernünftiges Einkommen
  • Bevormundung und Paranoia durch Vater Staat (Impfpflicht, Antiraucher-Kampagnen, Freiheitseinschränkung im Namen der Sicherheit, Alkoholaussschankverbot in Tankstellen, etc.  etc.)
  • TüV-Termin fürs Auto

22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Ich. Diverse Arbeitgeber habe ich versucht, von mir zu überzeugen und letzten Endes hat mich dann auch endlich jemand verstanden.

23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Ich bin nicht gut darin, Geschenke zu machen, schon eher liegen mir einige Kleinigkeiten  und winzige Aufmerksamkeiten. Genrell kann sowieso nur die beschenkte Person kann sagen, ob dass was ich verschenkt habe, schön war oder nicht.

24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Mir wurden in diesem Jahr eine ganze Menge schöne Geschenke gemacht, dass ich keines nun explizit herauspicken möchte, wobei sich die selbstgemachten Geschenke doch eine extra Erwähnung verdient haben. Allerdings ist das schönste Geschenk (ein immaterielles), dass mir jemand die Möglichkeit gegeben hat, immer noch so zu sein, wie ich bin.

25. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Könnten Sie es einrichten, dass Sie am Montag bei uns anfangen?“

26. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

*ditsch*

27. 2009 war mit einem Wort …?

bescheiden

.

.

.

Das neue Jahr kann nur besser werden oder zumindest so gut bleiben, wie das alte aufgehört hat. In diesem Sinne, lesen wir uns hier nach dem Jahreswechsel wieder.

.

.

.

ein sich ohne besonderen Vorsätze fürs neue Jahr von allen Mitlesern verabschiedender und sich schon auf die Wiedersehensfeier im nächsten Jahr freuender Ausserirdischer

Geschenke einpacken – Der Versuch einer Twitkrit (Eintrag XXV)

Posted in rechtsfreier Raum with tags , , , on 26. Dezember 2009 by Shumway

Hollera zusamen,

ich weiß. Schon wieder ein Artikel über Twitter (für einige ist das Bloggen über Twitter vergleichbar mit dem Schreiben einer MMS über eine gelesene SMS) aber es gab zum Thema „Geschenke einpacken“ einfach zu viele Tweets, die den gleichen Tenor hatten und die ich gerne einmal in Form einer Twitkrit vorstellen möchte:

Wie jedes Jahr im Kalender fest verankert nähert sich in der letzten Dezember Hälfte das Weihnachtsfest. Was schon in den Supermärkten ab Ende August mit dem Verkauf von Lebkuchen und Spekulatius beginnt, mit dem Geruch von Glühwein, Crêpes und Holzspänen dann ab Ende November auf zahlreichen Weihnachtsmärkten weitergeht und nach verschwitzten, stressigen Einkaufstouren durch überfüllte Innenstädte kurz vor dem eigentlichen Fest seinem Finale entgegenstrebt.

Wer seine Liebsten beschenken möchte (egal ob mit selbst gebasteltem, gekauftem oder bestelltem Hab und Gut) steht, sofern er beim Einkaufen nicht so schlau gewesen ist, sich diese Arbeit von fachkundigem Personal abnehmen zu lassen, kurz vor dem Ende – der Bescherung – vor allem als männlicher Vertreter vor dem Geschenkeinpackmonster; einem nahezu unüberwindbaren Endgegner, vor dem ich Euch im Folgenden warnen möchte, damit es keiner auf die Idee kommt, dieses Untier zu unterschätzen.

Ich selber bin mittlerweile überzeugt, dass zum ordnungsgemäßen Verpacken von Geschenken ein besonderes Gen oder zumindest ein Enzym im Körper vorhanden sein muss, um diese körperliche Schwerstarbeit bewältigen zu können (und die Erfahrung zeigt, dass meistens die weiblichen Vertreter der Spezies Mensch diese Veranlagung im Blut haben).

Da Twitter von sehr vielen Leuten gerne benutzt wird, um die alltäglichen Dramen und Ereignisse der Welt (oder zumindest dem persönlichen Gefolge) mitzuteilen, hat es auch zum Thema „Wie verpacke ich ein Geschenk“ einige interessante Beobachtungen gegeben, die uns allen eine Lehre sein könnten.

Meinereiner hat einfach das Ergebnis der Tesafilm- Geschenkpapier-Orgie als Kunst deklariert und mal rundgefragt, wie die anderen es mit dem Aufhübschen der Präsente so handhaben:

.

In Bonn gibt es männliche Mitbürger wie den Herrn PlanC_, die beim Einpacken unweigerlich an Kunst denken auch wenn diese nicht als Vergleich zur Hervorhebung der eigenen gestalterischen Fähigkeiten herangezogen wird:

.

DerClemens ist ein weiterer männlicher Zeitgenosse, welcher sich Gedanken um die technischen und normativen Gegebenheiten, die dem Vorgang des Einpackens zu Grunde liegen macht und darüber hinaus wertvolle Tipps bereithält, was zu beachten ist, wenn man dem Beschenkten wirklich eine Freude machen will:

    .

    Da es anscheinend wirklich von Nöten ist, hier noch ein weiterer Hinweis von DaggyO , wie man als Einpack-Legastheniker nicht nur ein optisch ansprechendes, sondern auch noch ein praktisches Ergebnis erzielt:

    .

    Aber nicht nur die männlichen Repräsentanten der Spezies Mensch plagen sich mit dem vorweihnachtlichen Stress mit Papier, Schleife, Tesafilm und Schere herum. Die handwerklich begabte n303n hat für uns alle auch drei hilfreiche Anmerkungen parat:

    .

    Aber bevor Ihr nun alle denkt, dass Ihr für das nächste Mal gewappnet seid, alles über die Tücken und Fallstricke des Geschenkeverpackens wisst und der Meinung seid, auch schon vorher Experten auf diesem heiklen Gebiet gewesen zu sein, möchte ich Euch noch folgenden Tweet von Amaot ans Herz legen, der zeigt, dass manchmal eine höhere Macht im Universum daran Schuld sein muss, dass viele Menschen – vorzugsweise männlichen Geschlechts –  lieber Geschenke unverpackt überreichen sollten:

    .

    Ich hoffe, Ihr zieht daraus die einzig wahre Lehre und lasst demnächst jemanden die Geschenke verpacken, der sich damit auskennt oder einfach nur ein Talent für diese knifflige Tätigkeit besitzt, denn seid gewarnt: Auch wenn bis zum nächsten Weihnachtsfest noch über 360 Tage Zeit bliebt, malträtieren uns Geburtstage, Hochzeiten, Jubiläen und andere Festlichkeiten das ganze Jahr über mit Geschenken und dem Fluch, die einpacken zu müssen.

    .

    .

    .

    ein sich nun mit einer Decke einpackender und mit Buch ins Bett packender Ausserirdischer

      Besuch der @Frauenfuss-Ausstellungseröffnung (Eintrag XXIV)

      Posted in rechtsfreier Raum with tags , , , , , , , on 15. Dezember 2009 by Shumway

      Hollera zusammen,

      nach ewiger Zeit habe ich mich endlich mal wieder durchgerugen, einen Artikel nicht nur stichpunktartig irgendwo zu vermerken oder im Kopf zu formulieren, sondern tatsächlich zu… Papier(?) oder besser gesagt zu internetfähigen Bits und Byte zu verwurschteln und nun frage ich mich, ob ich den Artikel nun auch veröffentlichen soll oder es einfach sein zu lassen. Da ich aber nach langer Zeit endlich über die größte Hürde des Bloggens für mich hinaus bin (Das sich an den Rechner setzen und den Artikel zu tippen), werd ich nun auch weitermachen.

      Die talentierte Grafik Designerin Michaela von Aichberger, die in der Twitterwelt jedem unter dem Namen @Frauenfuss bekannt ist, hat ihr anfängliches Spaßprojekt „Ich male meine Follower“ oder in für Twitter typischen verkürzten Schreibweise mit Hashtag #immf genannt soweit gebraxcht, dass sie damit nun Ausstellungen in ganz Deutschland beehrt. Nach der Premiere in Nürnberg, darf sich nun die Stadt Köln loben, für die nächsten Tage Herberge eines interessanten Internet-Kunst-Projekts zu sein.

      Den Berichten aus Nürnberg zu Folge, war die Veranstaltung dort ein voller Erfolg, also haben wir uns zu zweit auf den Weg Richtung Köln Mühlheim gemacht, um uns ein Bild von den Bildern und der Veranstaltung zu machen. In erster Linie wirklich, um die schon so oft im Netz bewunderten Bilder endlich einmal live zu sehen. Da ich selber auch das wahnsinnige Glück hatte, von der Künstlerin mit einem #immf-Portrait geehrt worden zu sein, war die Neugierde natürlich auch sehr groß, wie das mir gewidmete Bild aussieht, neben wem ich da so an der Wand hänge und ein wenig hegte ich auch die Hoffnung, die Künstlerin zu treffen und ein paar Minuten ihrer Zeit zu stehlen, um mich persönlich für die Zeichnung ihrer Vorstellung meines Twitter-Ichs zu bedanken. Das Treffen weiterer Twitterer war im Bereich des Möglichen aber im Rahmen der Veranstaltung von meiner Seite aus kein Grund mich auf den Weg dorthin zu machen.

      Als wir den Wagen vor dem Kulturbunker in einer Parklücke unter bringen konnten, der erste Schock: Einige dubiose Gestalten in glänzenden Anzügen, mit Schlips und Slippern waren dort versammelt und man stellte sich die erste bange Frage, ob man zur einer Vernissage-Eröffnung mit kaputter Jeans und T-Shirt nicht zu underdressed sei und auffallen würde wie ein bunter Hund. Nuja, als Person, die nicht von dieser Welt stammt, ist man einiges gewöhnt, was das Hervorheben und Auffallen innerhalb größerer Menschenmassen angeht, so dass man sich dann nach einer letzten Zigarette im arschkalten trockenen Kölner Wetter auf den Weg ins Innenleben des würfelförmigen Veranstaltungsgebäube begab.

      Die erste Erleichterung kam dann, als man sich dem Obergeschoss näherte und das Styling der dort im Vorraum versammelten Leute darauf schließen ließ, dass man in dem gewählten Standard-Outfit nicht auffiel wie ein bunter Hund (Da ich die dubiosen Gestalten vom Parkplatz während der Veranstaltung im 1, OG rechts nicht ein weiteres Mal gesichtet habe, denke ich, dass diese glücklicherweise für alle Anwesenden einer anderen Feierlichkeit zugehörig gewesen sind.)

      Die Aufteilung der Galerie in drei parallel angeordnete Räume mit jeweils den Seitenwänden voller wunderschön gerahmter #immf-Bilder war an sich nicht verkehrt. Jedes der zahlreich aufgehängten und herrliche gerahmten Büchlein hinter Glas kam so sehr gut zur Geltung und konnte in Ruhe begutachtet werden, wenn ich es auch befremdlich fand, dass es einige Leute für praktisch hielten, sich mit ihren Sitzgelegenheiten direkt vor die Kunstwerke zu pflanzen, so dass einem das Betrachten von Details einzelner Ausstellungsstücke nur möglich war, wenn man seine Körpermitte auf Tuchfühlung mit den Gesichtern der dort Hockenden brachte. Wer weiß, vielleicht war dies aber auch eine von mir missverstandene Weise, Kontakte zu knüpfen.

      Nach vorsichtigem Schlendern durch den ersten Raum und Sichten einiger weniger bekannter Gesichter (Ich folge bei Twitter gerade mal 100 Leuten und lese bei einigen noch quer, ohne zu folgen. Da sich diese Hundertschaft aus dem gesamten Raum unseres Landes und darüber hinaus noch aus einigen Österreichern und Leuten von Übersee zusammensetzt, ist die Chance, in Köln jemanden zu treffen, dem man folgt relativ gering und die Chance, sogar jemanden zu treffen, der gleichzeitig meine Tweets auf Twitter abonniert hat, ist noch geringer.

      Meine Hauptintention lag aber wie eingangs erwähnt nicht darin, möglichst viele Leute zu kennenzulernen, sondern eher darin, die Ausstellung an sich und somit die ausgestellten Bilder an sich aus nächster Nähe zu betrachten und einigen der auftretenden Vorlesern zu lauschen.

      Da wir um kurz vor acht angekommen waren und @dergrob gerade seinen Vortrag begonnen hatte, war eine Sichtung der im mittleren Raum (welcher mit Stühlen und Bänken ausgestattet als Vortragsraum auserkoren war) hängenden Bilder nicht möglich.

      Trotz des großen Andrangs an Publikum vor den Durchgängen und innerhalb des mittleren Raumes schafften wir eine Überquerung und landeten im dritten zu dem Zeitpunkt überraschenderweise vollkommen leeren Raum und konnten uns in Ruhe an den aufgehängten Stücken und den an den Kopfenden platzierten Sammlungen ergötzen. Da ich eine HD-Videokamera mitgenommen hatte, um ein paar der Bilder (und logischerweise mein eigenes) für das persönliche Archiv zu filmen, nutzte ich hier die Gelegenheit, dieses zu tun und bekam aber leider dank der auf den mittleren Raum zugeschnittene Akkustik von der ersten Lesung so gut wie nichts mit.

      Wovon ich auch nichts mitbekommen hatte, war der kleine Mann (Ja, ich darf klein sagen, denn Leute, die mich in puncto Körpergröße nicht überragen sind spärlich gesäht) mit der großen Kamera (Ja, die Kamera war groß und sah nach professioneller Fernsehausrüstung aus), der mich beim Filmen der Ausstellungsstücke mit seiner Kamera minutenlang verfolgte, filmte und dabei laut Augenzeugen einen missbilligen Blick aufgesetzt hatte, als würde er mich der Industriespionage verdächtigen.

      Leider konnte ich das mir gewidmete #immf-Bild auch im dritten Raum nicht entdecken, so dass ich – sollte es tatsächlich ausgestellt worden sein – wohl nur im Vortragsraum fündig werden konnte.

      Beim nochmaligen Durchqueren dieses Raumes zwecks Einlegen einer Raucherpause auf der Dachetage, schlug uns ein Mief eine recht interessante Mischung der verschiedensten Duftnoten der vielen anwesenden Leute auf relativ kleinem Raum entgegen (Meine Nase ist groß und so empfindlich, so dass sie Nahrungsmittel auf weit entfernte Distanz zu orten vermag), die mich skeptisch gegenüber dem Beisitzen der später stattfindenden Lesungen der von mir geschätzten Twitterer @vergraemer & @silenttiffy machte. Der Umstand, dass viele der Anwesenden den lecker duftenden Zwiebelkuchen noch gar nicht erst genossen hatten, trug nicht zur Linderung dieser Bedenken bei.

      Der kleine Mann mit der großen Kamera ist mir währenddessen noch mehrmals über den Weg gelaufen und jedes Mal, wenn er mich zu Gesicht bekam, bildete ich mir ein, dass sich sein zu anderen Leuten freundlicher Blick zu einer sehr skeptischen und verkniffenen Miene wandelte. Als er dann auch noch die menschenleere eiskalte Dachterasse aufsuchte, als meine Begleitung und ich gerade von einer Zigarettenpause derselbigen wieder ins Innere des Kulturbunkers eintraten, obwohl sich dort keine weitere Person aufhielt (Anscheinend sind alle anderen Raucher zur Suchtbefriedigung runter vor die Tür gegangen) geschweige denn filmisch verwertbares Material befunden hatte, war ein unbehagliches Gefühl des Verfolgtwerdens da. Vielleicht wollte er auch nur die Gelegenheit nutzen, eine Zigarette zu rauchen oder wollte sich kurz an der frischen Luft ergötzen aber das Timing zu dem Zeitpunkt war so passend, dass ich fortan leicht paranoid auf alle mir entgegengehaltenen Aufnahmegeräte reagiert habe.

      Wieder unten angekommen begann gerade das Programm von Jan-Uwe Fitz besser bekannt als Taubenvergrämer und ich versuchte halb im Durchgang zum mittlerweile proppenvollen Vortragsraum stehend ohne Chance, einen Blick auf den Protagonisten werfen zu können, wenigstens den Worten zu lauschen. Seine Episode über die Kleptopedie (der zwanghaft mit den Füßen Klauende) machte mir ziemlich schnell bewusst, dass ich diese von ihm vorgetragenen Abstrusitäten in der Twitterwelt als mehrfach täglich auftretender 140-Zeichentweet sehr schätzte (und das nach wie vor tue) sie aber in Form eines längeren Vortrags vor Publikum eher als langweilig und gestellt empfand.

      Sehr gelegen kam dann der Höhepunkt des Abends, nämlich der Moment, indem ich die Schöpferin der gesamten ausgestellten Gemälde kurz persönlich begrüßen durfte. Sie schien sichtlich erfreut, mich anzutreffen, was mich wiederum erfreute, da ich trotz der Tatsache, als Numero 185 einer ihrer mittlerweile über 250 gemalten Follower zu sein, im Prinzip nur einer von über 5.500 Leuten bin, die ihr und ihren Tweets auf Twitter folgen und innerhalb des Twitterversums auch ein nur kleines Sternchen unter vielen vielen anderen darstelle.

      Nach einem kurzen Smalltalk über die Besuchermenge erklärte sie mir, dass das zu meiner Person erdachte Gemälde im Vortragsraum direkt vorne in der Höhe des Rednerpults stand und somit momentan noch nicht zugänglich war. Nach einem kleinen verdrehten Autogramm von ihr (Sie hat mein leeres Namensschild persönlich mit meinem Nicknamen verziert) hieß es dann warten, bis man den mittleren Raum der Vernissage zum Betrachten der Bilder betreten konnte. Persönlich bedankt habe ich Trottel mich in der kurzen Zeit natürlich auch nicht, was ich aber bald nachholen möchte, ehrlich!

      Nachdem der Taubenvergrämer um 21:00 Uhr sein Programm beendet hatte, war danach – entgegen des mir bekannten Programms – eine 30-minütige Pause veranschlagt. Dies gab nun allen Beteiligten die Möglichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes etwas Luft (oder auch etwas zu trinken, rauchen, futtern) zu holen und somit leerte sich der bis dahin stets gefüllte Raum sehr schnell und man konnte nun endlich auch mit Muße einen Blick auf die im mittleren Abschnitt aufgehangenen Bilder werfen. Dort an derselben Wand wie die drei Twitterberühmtheiten @haekelschwein, @gebenedeite und @formschub hing dann auch meine Wenigkeit. Ein Anblick, der mich dann doch ein wenig stolz hat aus der Wäsche gucken lassen, da ich mit diesem Portrait ein Teil dieser tollen Ausstellung war. Da leider sämtliche Taschen der Fotografen und deren technisches Equipment passenderweise genau an dieser Stelle geparkt waren, gestaltete sich für mich die mehrfach an diesem Abend beobachtete Standardfotografie „User direkt vor dem dazugehörigen #immf“ etwas schwierig aber mit ein wenig formvollendeter Akrobatik ging das auch über die Bühne.

      Da die Lesung von @wortmax aus seinem kürzlich veröffentlichten Buch nun nach hinten verlegt worden war, hieß der nächste von mir neugierig erwartete Programmpunkt des Abends Alexandra Tobor a.k.a. @silenttiffy, die das zweite Kapitel ihres bis jetzt noch nicht veröffentlichten (weil sich eigentlich noch gerade in der Entstehung befindenden) Buches lesen wollte / sollte / musste (trotz sichtlicher Angeschlagenheit durch vorhergegangene Erkältung der Atemwege).

      Sehr amüsiert und wenn auch mit dem dazugehörigen Grad der Verständnislosigkeit bemerkten wir, dass der größte Teil, der nun leerstehenden Sitzgelegenheiten in typisch deutscher Manier akkurat mit Jacke, Pullover oder ähnlichen Kleidungsstücken als „reserviert“ markiert worden war, so dass wir uns entschlossen, im vorderen Bereich zwei freie Stühle als Sitzgelegenheit zu nutzen (natürlich nicht, ohne uns vorher zu vergewissern, dass diese nicht doch zufällig mittels eines Badelakens gekennzeichnet waren).

      Die Lesung der „Gräfin“ war sehr gut, wenn man auch die Thematik in der ein oder anderen Form bereits öfters gehört hatte, war der auf Twitter auch oftmals durchblitzende Schreib- und Erzählstil der Vorleserin dermaßen gut, dass ich gerne konzentrierter und aufmerksamer zugehört hätte. Der Konjunktiv an dieser Stelle verrät es bereits, dass dies nicht so einfach machbar war, denn die geballte offizielle und private Pressefront inklusive des kleinen Mannes mit der großen Kamera stand mit kompletter Ausrüstung bewaffnet strategisch gut positioniert hinter der Vortragenden und filmte, knipste, zoomte und blitzte immer wieder in Richtung Publikum. Dazu kamen noch die obligatorischen privaten Kameras, so dass wir uns zeitweise vorkamen, als wären wir und nicht die Ausstellung oder die in dem Moment vor dem Publikum sitzende @silenttiffy die Hauptattraktion.

      Obwohl das Programm zu dem Zeitpunkt noch nicht zu Ende war, ging es erst einmal raus aus diesem „Presseraum“ in den Ausstellungsraum Numero Uno Dort habe ich noch einen der wenigen Leute erkannt, von dem ich weiß, dass er meine Wenigkeit aus dem Twitterkosmos kennt und dessen Tweets ich auch immer mit Interesse lese. Nach einem kurzen Plausch mit dem für seine Panoramabilder bekannten @joshvonstaudach haben meine Begleitung und ich dann beschlossen, den Rest des Abends lieber in entspannter, kamera- und twitterloser Atmosphäre zu verbringen.

      Die Ausstellung gastiert ja noch länger in Köln und nächsten Sonntag, wenn als Programm das Malen für Kinder ansteht, werde ich zusammen mit meiner Kleenen auch nochmals die supernette Michaela von Aichberger und ihre tolle Ausstellung in Ruhe (sofern der Wirbelwind uns die Ruhe dazu lässt) besuchen.

      Mein Fazit:

      • eine sehr tolle Ausstellung mit einer wahnsinnig sympathischen Künstlerin.
      • ein sehr interessantes Rahmenprogramm, dem ich gerne mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte.
      • eine bunte Mischung aus normalen, komischen, interessanten und seltsamen Menschen.
      • eine Vernissage, bei der nicht die Kunst sondern die Besucher ein zentraler Bestandteil waren (was mich ein wenig irritiert aber nicht verwundert hat).
      • eine übernatürlich große Menge an Fotografen, Kameras und Leuten die unentwegt Bildern der Besucher anstatt der tollen Kunstwerke gemacht haben (welche der Grund für das frühzeitige Verlassen der Ausstellungsveranstaltung war)
      • die generelle Feststellung, dass Twitter zwar süchtig macht aber ich an einer Twitter-Community nur rudimentäres Interesse habe bzw. es meiner Ansicht nach für Twitter aufgrund der Vielfalt seiner User im Gegensatz zu vielen bereits gemachten Erfahrungen mit Chats, Foren und Browsergames in meinen Augen gar keine richtige Community geben kann und somit auch weder Zugehörigkeits- noch Ausgrenzungsgefühl.

      .

      .

      .

      Ein sich mit einem Erfahrungsbericht nach längerer Blogabstinenz mal wieder hier geäußert habender und dies zukünftig wieder ein wenig regelmäßiger vorhabender Ausserirdischer