Area4 2009 – Ein Festivalbericht in vier Teilen – vierter und letzter Teil (Eintrag XIV)

Ladies und gentle people, welcome to the last part. Ich hätte es selber kaum gedacht, dass ich es schaffe, für alle Tage eine so ausführliche Rekapitulation zusammen zu bekommen aber es ist vollbracht, nunja… es ist fast vollbracht.

Here we go: Der Sonntag

07:00 Uhr Weckkommando Dixieleerung. Nach dem etwas längerem Samstagprogramm entschließen wir uns aber diesmal noch ein wenig im Zelt liegen zu bleiben, so dass wir uns erst gegen 09:00 Uhr aus demselbigen schälen. Die anderen sind anscheinend an diesem Morgen auch nicht viel motivierter. Nach kurzer Zeit sitzen wir aber alle wieder beim Frühstück um den Campingtisch unter dem Pavillon. Die letzten Reste des mitgebracheten Pakets Kaffee werden durch den Filter gejagt und die Lebensgeister kehren mehr oder weniger schnell zurück in unsere Glieder. Das Frühstück wird zum Restessen und ordentlich bis weit in die Mittagsstunden ausgedehnt.

12:00 – 12:30  Bombay Bicycle Club (noch nie live gesehn)

Zu dem Zeitpunkt ist es so gemütlich, dass keiner einen Gedanken daran verschwendet, zu dieser unchristlichen Uhrzeit seinen gemütlichen Platz am Zelt gegen einen Platz vor der Bühne zu einzutauschen. Die Nachbarn gegenüber lassen wie immer ihren lustigen Musikmix laufen und mittlerweile bauen sich selbst bei den tolerantesten unter uns Aggressionen gegen jeden einzelnen gespielten Song auf (Vor allem den am Freitag noch für witzig befundenden Rülps-Biene-Maja-song kann keiner mehr hören).

12:50 – 13:20  Baddies (noch nie live gesehn)

Auch hier bleiben wie stur sitzen und genießen das faule Campingleben. Die immer noch laufende Spaß-CD der Nachbarn führt dazu, dass wir uns entschließen, das sonst an den Tag gelegte hohe sprachliche Niveau gegen ein wahrhaft unflätiges Vokabular auszutauschen. Für Außenstehende mag das befremdlich klingen aber wir erfreuen uns daran keinen einzigen Satz ohne das Adjektiv ‚verfickt‘ oder den Zusatz ‚Scheiße‘ auszusprechen.

13:45 – 14:25  Alberta Cross (noch nie live gesehn)

Im Vorfeld habe ich einige Sachen von ihnen gehört aber keinen rechten Gefallen an den ruhigen aber in meinen Augen eher belanglos dahinplätschernden Songs gefunden. Immer noch frühstückend bzw. mittlerweile bereits beim Aufwärmen von einigen Ravioligerichten, beginnen wir bereits, die ersten Sachen zusammenzupacken. Wir sind uns einig, dass wir alle bereits am heutigen Sonntag den Rückzug antreten werden, da uns die Aussicht auf einem fast leeren Zeltplatz umringt von Müll und eventuell noch rumlungernden Chaoten nicht besonders erfreulich erscheint.

14:55 – 15:40  Panteon Rococo (noch nie live gesehn)

Eigentlich habe ich im Vorfeld gedacht, dass Panteon Rococo eine schöne Sommerband sei, die sich ideal eignet, den Sonntag musikalisch einzuläuten. Aber in Anbetracht des noch zu packenden und schleppenden Kram aus und vor den Zelten, siegt die Faulheit. Vielleicht im Nachhinein die einzige Entscheidung, die ich eventuell in gleicher Situation anders treffen würde. In dem Moment bereue ich es allerdings nicht, noch ein wenig faul in der Sonne rumzuliegen und den anderen bei ihrem ersten Gang mit Klamotten Richtung Parkplatz zuzusehen (Die schon im letzten Jahr von uns mitgebrachte Minisackkarre aus großmütterlichem Besitztum erweist sich wieder als ‚der Burner‘).

16:10 – 16:55  Life of Agony (Herbst 1996 | Support: Stuck Mojo)

Wieder eine Band, auf die sich alle einigen können und so bricht man bei sengender Hitze und ohne Aussicht auf einen Schattenplatz zum Konzertgelände auf. Im Gegensatz zu einigen anderen aus der Gruppe, bin ich hinsichtlich Life Of Agony eher skeptisch. Das Debutalbum ‚River Runs Red‘ gehört in meine ewige Bestenliste und auch das Nachfolgealbum ‚Ugly‘ ist ein sehr geniales Machwerk härterer Musik. Die spätere Schaffensphase mit deutlich ruhigeren Tönen vor ihrer Auflösung verwirrt und verstört mich eher. Auch dem Soloprojekt des Frontmanns Keith Caputo kann ich nicht viel abgewinnen, auch wenn hier seine charismatische Stimme sehr gut zur Geltung kommt.

Da wir alle noch in gemütlicher Stimmung sind, beschließen wir, das Konzert von weitem aus zu beobachten. Die ersten sehr lauten Gitarrenbreitseiten beim Soundcheck klingen vielversprechend. Kurz bevor die Band auf die Bühne kommt, hört man die bekannten Zwischenstücke ihres grandiosen Debutalbums und es keimt Hoffnung auf, dass sie sich hauptsächlich auf ihre alten Songs beschränken. Dann geht es los und schon zu Beginn des Livesets wird klar, dass der Sound sehr matschig und undefiniert aus den Boxen tropft und nicht im entferntesten mit dem Soundcheck mithalten kann. Sie beginnen den Auftritt mit drei Klassikern ihres ersten Longplayers aber Caputo scheint sehr desinteressiert, was seine Gesangspart angeht, interpretiert die Songs recht freimütig, so dass man noch nicht einmal mitsingen kann. Auch für den Rest des kurzen Gigs wirkt das alles eher schlecht oder bestenfalls noch bemüht (Wie haben Kinderzimmer Production es einmal in einer Zeile treffend festgehalten? „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“). Lediglich ‚Lost at 22‘ kann halbwegs an die Qualität der Studioversion heranreichen. Wir verbringen den Gig damit zumindest die guten Songs abzufeiern und ignorieren dabei den grottigen Sound und die noch schlechtere Darbietung des Frontmanns.

Fazit: Obwohl es das letzte Konzert einer langen Tour gewesen ist und man nur einen Nachmittagsslot mit weniger als einer Stunde Spielzeit zugeteilt bekommen hat, ist es eine Frechheit, den Zuschauern so vor den Kopf zu stoßen. Ich bin froh, sie 1996 live gesehen zu haben, als ihr Konzert genial, schweißtreibend, laut und heftig gewesen ist.

Ein wenig enttäuscht treten wir den Rückweg zum Zeltplatz an.

17:25 – 18:15  Anti-Flag (gehört aber nicht gesehen auf der Rheinkultur 2008)

Obwohl ich Punk und Hardcore eine Menge abgewinnen kann, ist Anti-Flag eine dieser Bands, die fast immer außerhalb meines Radars abgelaufen sind. Bis auf einige Songs treffen sie gar nicht meinen Geschmack und somit fällt die Entscheidung, zu diesem Zeitpunkt die Zelte abzubrechenbauen und alles in die Autos zu verladen recht leicht und erscheint vernünftig. Da man sich nicht einig ist, ob man Kettcar ganz oder nur ein bischen sehen will, lassen wir uns viel Zeit und verfallen nicht in Hektik, als es darum geht, die letzten Reste zu Richtung Parkplatz zu bringen und sich vor dem Abendprogramm noch einmal etwas zu essen zu machen (Ravioli schmecken auch kalt) und sich für die kühleren Temperaturen des Abends zu rüsten.

Bei der Gelegenheit kann man dann auch wie im Vorjahr den sogenannten Müllpand einlösen (der richtige Terminus wäre Müllkaution zurückerstatten lassen). Im Prinzip eine sehr vernünftige Sache, dass die Leute beim Kauf des Tickets fünf Euro mehr zahlen, die sie dann bei Abgabe ihres Mülls am letzten Tag zurückerhalten. Leider hapert es bei der Durchführung daran, dass es im Prinzip scheißegal ist, wie man seinen Zeltplatz hinterlässt. Auch wird nicht besonders viel wert darauf gelegt, dass die Leute, die den Chip gegen Cash einlösen, auch tatsächlich einen (vollen) Müllbeutel abgeben. Wie dem auch sei, die Container sind randvoll, obwohl ein Blick über den langsam lichter werdenden Zeltplatz mehr Müll als freie Rasenstücke offenbart.

18:45 – 19:45  Kettcar (Visions Westend, Juli 2003)

Ich bin ein Fan der leider nicht mehr existierenden großartigen Band ‚But Alive …‘. Der damalige Sänger, Markus Wiebusch, ist nun Frontmann von Kettcar, somit haben sie schon einige Pluspunkte auf ihrem Konto. Leider ist mir die Musik oftmals zu ruhig. Was auf Platte noch gut funktioniert, wenn man sich mal eine Auszeit gönnen möchte, trifft als Livedarbietung nicht meinen Geschmack. Daher macht es mir auch nichts aus, dass wir neun erst zu den letzten Songs von Kettcar auf dem Konzertgelände ankommen. Immerhin ist zu dem Zeitpunkt schon unser kompletter Kram in den Autos verstaut.

Nachdem einige von uns noch ein paar der überteuerten Futterangebote (gebratene Nudeln für sechs Euro) wahrnehmen, liegen wir noch faul im Gras, lauschen den abschließenden von Kettcar vorgetragenen Songs und warten auf die letzten beiden Bands des heutigen Tages. Wir finden noch einen netten jungen Festivalbesucher, der ein Gruppenbild von uns neun mit dem Handy und einigen von uns mitgebrachten Einwegkameras macht, so dass dieser Moment für die Nachwelt oder zumindest für unsere Gruppe festgehalten werden kann.

20:15 – 21:30  Farin Urlaub Racing Team (noch nie live gesehn)

Nachdem ich bereits zweimal auf einem Festival das Vergnügen einer Ärzte-Live-Performance gehabt habe, bin ich sehr gespannt, wie Farin Urlaub und sein Racing Team die teils nachdenklichen und teils rockigen Songs umsetzen werden und vor allem, ob er als Solist (begleitet von 10 Musikern) auch seine Späßchen mit dem Publikum macht oder ob dies eher ein Markenzeichen der Ärzte bleibt. Das Konzertgelände ist so voll wie noch nie an diesem Wochenende. Bis zum Eingang sieht man überall Menschenmassen das Gelände bevölkern. Dennoch ist da, wo wir stehen, noch genug Platz zum Hüpfen und tanzen, der auch ausgiebig genutzt wird.

Leider habe ich nicht die genaue Songabfolge vom Konzert vorliegen aber es werden alle Alben berücksichtigt, wobei das gefühlte Hauptaugenmerk auf dem neuesten Output liegt. Auch Farin und das Racing Team haben eine lange Tour hinter sich und beenden ihre Konzertreise mit diesem Auftritt. Im Gegensatz zu den zu diesem Zeitpunt vergessenen Life Of Agony, geben sie aber noch einmal ordentlich Gas. Mit sichbarer Spielfreude präsentieren sie einen Hit nach dem anderen. Auch in der untergehenden Sonne wirken die Songs rockig aber dank der Viermann-Bläsercombo immer funky und sommerlich. Zwischendrin wird textlich auch mal improvisiert und auch die spaßige Interaktion mit den Massen vor der Bühne bleibt nicht aus und wird von den Zuschauern dankbar angenommen. Wenn man sich umschaut, erblickt man überall zufriedene und strahlende Gesichter. Früher als gedacht spielen sie ‚Zehn‘. Spätestens hier rastet das Publikum richtig aus und nach dem ersten Refrain liegt dank zehntausender springender Menschen eine dichte Staubwolke über dem gesamten Gebiet und sowohl Musiker als auch Fans brauchen eine Atem- bzw. Hustenpause. Danach ist es zwar dunkel aber noch lange nicht Schluss. Munter folgen weitere Songs aus allen Soloalben.

Bei einer Ansage zum Ende hin, kündigt Farin den obligatorischen Schleimteil an, indem er uninspiriert mit einem Augenzwinkern auf englisch dem Publikum attestiert, dass es das beste und tollste der Welt sei. Diese Dankesrede  sorgt bei mir und einigen anderen unserer Gruppe für einen Lachanfall, weil sie (absichtlich oder nicht) so stark im Kontrast zu den anscheinend ernstgemeinten Tiraden von Campino am Freitag steht. Auch die Ankündigung, für die Zugaben nicht erst von der Bühne zu verschwinden, wird gefeiert. Als vorletzter Song kommt dann noch einmal ‚Zehn‘ wobei hier der Text der Strophen durch einfache Ausrufe ersetzt wird, die via Call-Response mit dem Publikum ausgetauscht werden.

Als allerletzten Song spielen sie trotz den Hinweisen, diesen Song nicht geprobt zu haben, die erste bekannte Singleauskopplung ‚Duschen‘. Nach über anderthalb Stunden Spielzeit legen sich langsam die Staubmassen und das Gute-Laune-Konzert ist beendet (Farin Urlaub Racing Team ist somit die einzige Band, der es gestattet wird, deutlich zu überziehen). Die Zuschauer strömen in Scharen dem Ausgang entgegen oder drängeln sich an die Getränkeständen, um dem Staub im Rachen Herr zu werden.

22:00 – 23:30  Faith No More (11. Bizarre Festival August ’97)

Faith No More! Das muss man sich zuerst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die ehemalige unangefochtene Speerspitze des experimentellen Funk-Metal-Rock, der Einfachheit halber kurz Crossover genannt, ist nach ihrer Auflösung Ende der neunziger Jahre wieder in Orginal-Lineup aus ihren glorreichen Zeiten auf Tour (Lediglich der aus alten Videos mit Wuschelkopf und Billigsonnenbrille als Markenzeichen bekannte Gitarrist Jim Martin, der ja bereits vorzeitig seinen Dienst quittieren musste, ist nicht mit an Bord). Trotz mehfacher guter Kritiken über die vorangegangenen Shows bin ich auch hier, ähnlich wie bei Life Of Agony, eher skeptisch, da mir das Konzert vom Bizarre ’97 noch sehr gut in Erinnerung ist und ich nicht weiß, ob sie die Messlatte von damals erreichen können.

Rund zehn Jahre nach etlichen internen Zwistigkeiten gehen sie wieder auf Tour. Im Gepäck lediglich die bekannten Songs ihrer alten Alben. Welche Laune wird Mike Patton haben? Der Frontmann, der dafür bekannt ist, dass er bei Liveauftritten gerne über die Stränge geschlagen hat und entweder völlig zugedröhnt die Songs dahergemurmelt oder wahlweise sich in Kreischorgien auf dem Boden gewälzt hat.

Während der Umbaupause stellen wir zwei Sachen zu unserer Verwunderung fest. Zum einen, dass der komplette Bühnenhintergrund mit einem an Samt oder Brokat erinnernden hellroten Vorhang verhangen wird und zum anderen, dass wirklich nur noch relativ wenige Leute auf dem Konzertgelände zugegen sind. Viele werden sich denken, dass sie bei der Abreise vor Ende des Festivals Zeit sparen (Was für einige nicht zutrifft, da man im Nachinein von über zwei Stunden Wartezeit auf dem Parkplatz nach dem Auftritt von Farin Urlaub erfährt), außerdem denke ich, dass vor allem den jüngeren Festivalbesuchern Faith No More kaum ein Begriff ist. So sind es vor allem die älteren Jahrgänge die sich freuen, als die Show losgeht.

Stilecht und mehr als passend beginnt das Konzert mit dem Cover des 70-er-Jahre-Klassikers ‚Reunited‘ von Peaches & Herb. Zu Beginn ist noch alles dunkel, dann trifft ein Lichtstrahl auf Patton, der passenderweise in einem roten Anzug gewandet am Bühnenrand steht und den Song beginnt, kurz danach ein weiterer Spotlight auf den Keyborder Roddy Bottum der den zweiten Part des Gesangs übernimmt. Nach und nach werden die Musiker, die alle herausgeputzt in Anzügen auf der Bühne stehen, in blaues Licht getaucht. Auch wenn man es dem Bassisten Bill Gould und Bottum ansieht, dass hier Herren älteren Semesters auf der Bühne zu Gange sind, wirken Patton und vor allem Drummer Mike „Puffy“ Bordin mit seinen immer noch ewig langen Dreadlocks so, als wären die letzten 10 Jahre spurlos an ihnen vorbeigegangen.

Danach beginnt das eigentliche Konzert mit dem Doppelpack ‚From Out Of Nowhere‘ und ‚Be Aggressive‘. Die Anlage schallt so laut wie bei keinem Act zuvor, dennoch ist der Sound brilliant, man hört jedes Instrument deutlich heraus, der  Gesang des Frontmanns ist klar. Er ersetzt zwar einige Gesangs- mit Schreiparts, dennoch sind alle Songs wiedererkennbar und eignen sich fantastisch zum Mitsingen oder Mitgröhlen. Ich bin wie elektrisiert, werde von Endorphinen überschwemmt und tanze, hüpfe und bange extatisch zu jedem einzelnen der so vertrauten Songs. Auch die anderen acht Leute unserer Gruppe scheinen restlos begeistert und selbst die ansonsten eher zurückhaltenden, gehen aus sich heraus und genießen die geile Show.
Spätestens jetzt treten weitere Hundertschaften aus dem Publikum verstört und enttäuscht den Rückzug zum Zeltplatz an. Anscheinend haben diese Leute erwartet, dass alle Songs von Faith No More im Stile Ihres Lionel Richie Covers ‚Easy‘ eher ruhig und poppig klingen. Denkste!

In der Mitte des Konzerts, welches bis dato ausschließlich aus Highlights der Alben drei-sechs (‚The Real Thing‘, ‚Angel Dust‘ dem unterschätzten ‚King For A Day, Fool For A Lifetime‘ und ‚Album Of The Year‘) besteht, kommt dann mit dem schon erwähnten und bekannten ‚Easy‘ die erste Verschnaufpause. Diesen Song hat man bereits sooft gehört, dennoch ist es ein leicht bewegendes Gefühl, als wir hier alle Arm in Arm stehen und – soweit es die arg malträtierten Stimmbänder noch zulassen – versuchen, die Beschallung der P.A. zu übertönen. Danach folgt mit ‚Midlife Crisis‘ einer der bekannteren Songs und wir machen unseren eigenen kleinen Moshpit auf. Kurz vor Einsetzen des dritten Refrains, als die versammelte Meute zum Hochspringen ansetzt, hört die Musik abrupt auf und Patton verbringt die nächsten fünf Minuten damit, das Publikum zum absoluten Stillsein zu überreden. Beim Closeup auf sein Gesicht und den irren Blick sieht er auf der Videoleinwand dabei aus, wie Jack Nicholson in seinen besten Momenten bei Shining. Die Musiker verharren derweil wie zur Salzsäure erstarrt in Ihrer Position, warten geduldig, bis Patton eine Reihe Schnarchgeräusche absolviert hat und seine Dankesrede für einen auf die Bühne geworfenes Ein-Eurostück beendet. Dann setzen sie den Song genau an der unterbrochenden Stelle fort und spielen ihn zu Ende, als wäre nichts gewesen. Danach folgen noch sechs weitere Kracher, bei denen uns die Musiker beweisen, dass sie nichts verlernt haben und der Frontmann eindrucksvoll mit Singen, Schreien, Kläffen und Kreischen beweist, dass er über die varibelsten Stimmbänder der Rockmusik verfügt.
Nach fast genau einer Stunde verabschieden sie sich (auch für Faith No More ist dieser Auftritt der letzte Ihrer Tour), die Bühne bleibt noch in rot erleuchtet und die plötzliche Stille irritiert alle ein wenig. Auch jetzt wandern wieder etliche Besucher Richtung Ausgang ab, während wir beschließen, uns bis zum Wellenbrecher nach vorne zu bewegen, wo mittlerweile schon fast beängstigende Leere herrscht.
Nach einigen Minuten kommen sie dann doch entgegen meiner Vermutung zurück, verteilen noch einiges an Lob für den Auftritt von Farin Urlaub und spielen dann eine geniale Coverversion von Chariots of Fire (Der Titeltrack aus dem Filmklassiker ‚Die Stunde des Siegers‘) die nach einer ewig langen Soundorgie in ihren eigenen Song ‚Stripsearch‘ übergeht. Danch beenden sie ihr Set mit dem einzigen Song aus ihrem Debutalbum, dem auch sehr zum gesamten Konzert passenden ‚We Care A Lot‘.
Dann verlassen sie entgültig die Bühne. Das Konzert, das Sonntagsprogramm und somit das Area4 2009 ist zu Ende.
Für mich ist dies der absolute Höhepunkt des gesamten Festivalwochenendes und noch völlig geflasht (an dieser Stelle sei mir der Anglizismus verziehen) begeben wir uns noch einmal an die Getränkestände, werden aber schon bald von den Ordnern aufgefordert, das Gelände zu räumen. Noch völlig duselig und mit den letzten Impressionen des über und über mit Müll zugepflasterten Zeltplatzes geht es zu den Autos. Man verabschiedet sich unter- und voneinander. Wir putzen noch einmal unsere Zähne, um den Staub zu entfernen, ziehen uns frische Klamotten an und treten ohne einen einzigen Ton aus dem Autoradio die Heimfahrt an (Hier sie noch erwähnt, dass wir im Gegensatz zu den Leuten, die nach Farin das Gelände verlassen wollten, keinen Stau beim Verlassen des Parkplatzes haben). Glücklich, geschafft, ruhig und noch den eigenen Gedanken nachhängend.

Gegen 02:00 Uhr in Köln hat uns die Zivilisation, genauer gesagt ein Burger King Restaurant, wieder. Hier merken wir erst, dass wir nicht nur sehr heiser sondern nach 4 Tagen Dauerbeschallung durch Musik, Zeltplatz und 20.000 Fetivalbesucher auch noch sehr schwerhörig sind. Zu Hause noch einmal Klamotten schleppen, heiß duschen, die Belssuren pflegen und dann mit dem Gedanken, dass sich diese vier Tage wahrlich gelohnt haben, ins Bett und in den Schlaf sinken.

PS: An dieser Stelle möchte ich den anderen Leuten aus unserer Truppe noch einmal herzlich dafür danken, dass sie nicht nur mit ihrem Geburtstagsgeschenk dazu beigetragen haben, dass ich dieses Jahr dabei gewesen bin, sondern auch, dass es ohne die entsprechenden Personen, kein so tolles Festival gewesen wäre.

ein den Festivalbericht damit beendender und sich nun erschöpft vom Schreiben erst einmal zum Musikhören zurückziehender Ausserirdischer

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